Artikel von Pfr. Reinhold Waltermann anlässlich "40 Jahre Freckenhorster Kreis (FK)". Über Pfr. Waltermann und den FK haben wir vom Stamm seit Mitte der 1980er Jahre Kontakt zu Bischof Helder Camara gehalten, Spenden weitergeleitet etc.
Anfänge des Engagements in Brasilien Der Impuls zur Gründung des FK war sehr stark von theologischen und speziell pastoraltheologischen Schwerpunkten des 2. Vatikanischen Konzils geprägt. Aber schon bald nach der Gründung kam der Gedanke auf, dass das neue Verständnis der Kirche und der darin verankerten Kollegialität auch eine über das eigene Bistum hinausgehende Solidarität erfordere. Exemplarisch sollte wenigstens mit einer Kirche der sogenannten dritten Welt Kontakt aufgenommen werden. Es ergab sich, dass, wenn ich mich recht erinnere, 1970 der damals schon durch das Konzil bekannt gewordene brasilianische Erzbischof Dom Helder Camara auf Einladung der KAB zum ersten Mal nach Deutschland kam. Er sprach auf einer Großkundgebung in Würzburg. Der inzwischen verstorbene Dr. Horst Goldstein und ich machten uns auf den Weg nach Würzburg.
Im Anschluss an die Kundgebung, als Dom Helder durch die Menschenmenge zum Bischöflichen Palais geleitet wurde, gelang es uns, mit ihm Kontakt aufzunehmen. Horst Goldstein rief ihm über die vor uns stehenden Menschen hinweg einige freundliche Sätze in Portugiesisch zu, aus denen Dom Helder wohl die unverkennbare Klangfarbe seiner nordost-brasilischen Heimat heraus hörte. Der Erzbischof blieb einen Augenblick stehen und wandte sich an seinen Begleiter. Der wiederum gab uns durch ein Handzeichen zu verstehen, wir sollten vor dem Portal stehenbleiben und warten. Horst Goldstein sprach ein ausgezeichnetes Portugiesisch, das er im Nordosten Brasiliens gelernt und viele Jahre dort gesprochen hatte.
Es dauerte nicht lange bis der genannte Begleiter uns hereinrief. Für mich ist es heute nach so vielen Jahren immer noch erstaunlich, wie viel Zeit sich Dom Helder für uns nahm und mit welchem Interesse er unser Anliegen einer Kontaktaufnahme mit der Kirche in Brasilien verfolgte. Es waren eineinhalb Stunden intensiver Kommunikation in einer uns bewegenden freundschaftliche Atmosphäre. Am Ende lud uns Dom Helder nach Recife ein und gab uns einige Adressen von Bischöfen der Igreja renovadora, der reformerischen Kirche, die sich nach dem Konzil der enormen gesellschaftlichen Probleme Brasiliens zu stellen suchte, was unter dem herrschenden Militärregime mit großen Problemen und
Konflikten verbunden war. Sie praktizierten schon das, was später - noch stärker reflektiert - Theologie der Befreiung genannt wurde.
Ein Jahr später machten Hans Werners und ich uns zum ersten Mal auf den Weg nach Brasilien. Es war ein abenteuerliches Unternehmen in dem von der Militärdiktatur beherrschten Land. Keiner von uns beiden kannte mehr als ein paar Dutzend Worte Portugiesisch. Hans Werners konnte sein Schulfranzösisch sprechen und ich ein dürftiges Englisch. Aber in einem so großen Land wie Brasilien, in dem alle Menschen die gleiche Sprache sprechen, fand sich damals so gut wie niemand, der eine andere Sprache erlernte, außer einigen, besser gesagt ganz wenigen Theologen, die im Ausland studiert hatten. Dennoch - wir hatten gute Kontakte. Die Empfehlung von Dom Helder öffnete uns Türen und Herzen.
Auf dieser Reise wurden die ersten Kontakte geschlossen mit Bischöfen wie Dom Antonio Fragoso in Crateùs, Dom Adriano Hypolito in Nova Iguaçu und den Kardinälen Dom Paulo E. Arns in S°o Paulo und Dom Aloisio Lorscheider in Fortaleza. Außerdem kamen wir in Kontakt mit einigen Theologen, unter anderen mit Frei Leonardo Boff in Petropolis. Mit den meisten dieser Kontaktpartner und mit von ihnen
vermittelten Gemeinden ergaben sich über Jahre kontinuierliche Beziehungen. Andere kamen im Laufe der Jahre hinzu. Der FK gründete bald den "Solidaritätsfonds des FK" und organisierte eine finanzielle Unterstützung unserer Partner.
Stand am Anfang noch die Idee einer Patenschaft mit Teilen der brasilianischen Kirche, so begriffen wir sehr bald, dass eine Partnerschaft angesagt war, bei der auch wir die Lernenden und Empfangenden waren, vor allem durch manche Anregungen und das ermutigende Zeugnis einer an den Menschen und ihren Nöten interessierten Kirche.
Weitere Informationen zu den Brasilien-Projekten in Recife finden sich hier,
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